Erzählungen

Düsternis über der Stadt

Eine Geschichte wollt ihr hören? Ihr wollt sie mit eigenen Ohren hören? Ihr wollt sie mit eigenen Augen sehen? Eine Geschichte mit Bildern wie aus Träumen? Seid ihr dazu wirklich bereit? Dann spitzt eure Ohren. Schärft eure Augen. Was ich euch jetzt erzähle, habe ich noch niemals zuvor erzählt.

Von einem blühenden Land wollte ich erzählen. Ich wollte von einem Land erzählen, in dem die Quellen klares, reines Wasser hervorbringen. Die Olivenhaine stehen stark und üppig, Weinberge gibt es soweit das Auge reicht. Leuchtend und rot blüht der Hibiskus. Die Menschen tanzen und lachen. Sie danken der Lebendigen. Sie singen: „Lebendige, du Schöpferin des Lebens. Dich loben wir. Dich ehren wir. Dir danken wir.“

Von diesem blühenden Land wollte ich erzählen. Von den glücklichen Zeiten wollte ich erzählen. Ich kann es nicht. Es ist vorbei. Dieses Land gibt es nicht mehr. Diese Zeiten sind Vergangenheit. Unmerklich hat alles angefangen, dieses furchtbare Unglück, dieser unbeschreibliche Schrecken. Nur davon kann ich jetzt erzählen.
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Bibelerzählen, Mimik, Gestik, Simone Merkel
Bibelerzählen Simone Merkel, Fotos: Juliane Menzel

 

Der dicke, der lange und der kleine König

Einst, als Sonne und Mond noch den Rhythmus der Zeit bestimmten und Wegstrecken zu Fuß zurückgelegt wurden, gab es drei Königreiche.

Das erste Königreich lag am Meer. Ein dicker König regierte in diesem Reich. Er liebte die Schiffe und er liebte das Meer. Wann immer er mit dem Schiff auf das Meer hinaus segelte, sprach er: „Mein Reich ist das größte. Es reicht von einem Ende des Meeres bis zum nächsten. Nichts kann sich mit dieser Größe messen.“

Das zweite Königreich lag in den Bergen. Ein langer König regierte in diesem Reich. Er liebte die Gesteine und er liebte die Berge. Wann immer er auf die Berge hinauf fuhr oder in den Berg hinab stieg, sprach er: „Mein Reich ist das mächtigste. Es reicht vom höchsten Gipfel bis in den tiefsten Erdenschlund. Nichts kann sich mit dieser Macht messen.“

Das dritte Königreich lag in den Feldern. Ein kleiner König regierte in diesem Reich. Er liebte die Farbe des reifen Korns und den lieblichen Duft der Blumen der Wiese. Wann immer er durch die Felder streifte, sprach er: „Mein Reich ist das wunderbarste. Es reicht vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang, es reicht von einem Menschenleben bis zum nächsten. Nichts kommt diesem Wunder gleich.“
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Bibelerzählen, Simone Merkel
Jahresempfang des evangelischen Kirchenkreises Steglitz (2017), Foto: Klaus Böse